Frauensendung. 8. März 2021

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Frauensendung. 8. März 2021

Welche Rolle spielen Frauen in den sozialen Bewegungen, Revolutionen und bei der Frauenbefreiung?

Es gibt viele unbekannte Frauen, die eine wichtige Rolle in der Geschichte des Kampfes gegen Kriege, Absolutismus, Feudalismus und Kapitalismus spielten beziehungsweise spielen.

Ich möchte an sie erinnern und ihnen meinen Respekt zeigen. Ich möchte an die 180 Frauen erinnern, die sehr aktiv an der Revolution 1848-49 teilgenommen haben. An die unzähligen Frauen, ohne deren Beteiligung die Brotkrawalle im selben Jahr in Ulm, Stuttgart, Villingen, Mannheim und Tübingen nicht stattgefunden hätten. Sie haben ihre Forderungen lautstark ausgedrückt und wurden deswegen häufig mit Gefängnis oder Ausweisung bestraft.

In dieser Zeit waren die Forderungen der Frauen oftmals allgemeiner Natur und nicht direkt mit den Rechten von Frauen verbunden.

Die bürgerliche Frauen, hielten sich zwar an die ihnen gesetzten Grenzen. Trotzdem gründeten sie Frauenvereine, weil für sie der Zugang zu den männlich dominierten Volksvereinen unmöglich oder sehr schwer war. Sie forderten Gleichstellung in der Bildung für Frauen und Mädchen. Die Frauenbewegung im 19. Jahrhundert war eine Reformbewegung.

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts fand die 2. Welle der Frauenbewegung statt, die ihren Höhepunkt in den 60er und 70er Jahren hatte. Zuerst war die Bewegung mit der Studentenbewegung der neuen Linken verbunden und verfolgte allgemeine soziale Ziele.

Später differenzierte sie sich aus, konzentrierte sich auf spezifische Frauenfragen wie Selbstbestimmung, Diskriminierung, Gewalt, Schwangerschaftsabbruch, sexueller Missbrauch und Patriarchat und wurde allmählich schwächer und weicher.

In Folge der 2. Welle der Frauenbewegung wurden Kinderläden, Frauenhäuser und kulturelle Einrichtungen gegründet. Doch das Interesse der Hausfrauen und Arbeiterinnen konnte sie leider nicht wecken und so auch nicht zu einer Massenbewegung werden. Auch der Kampf gegen den Kapitalismus war scheinbar nicht zentrales Anliegen ihrer Aktivitäten. Ich erinnere an die  tausenden Frauen dieser Generation, von denen manche, wie unsere liebe Mechthild, uns verlassen haben und andere nach wie vor aktiv sind und von der Aufbruchsstimmung und der lebendige Situation der 60er und 70er Jahre träumen.

Eine neue Welle der Frauenbewegung fing in den 90er Jahren an. Die neue Generation der Frauen orientiert sich an Geschlechteridentität, Gleichberechtigung der Geschlechter und arbeitet an den Themen weiter, die die Frauen der zweiten Welle angefangen und noch nicht gänzlich erfolgreich umgesetzt hatten, wie die Gleichberechtigung von Frauen bei der Arbeit, unbezahlte Reproduktions-, Care-, Erziehungs- und Hausarbeit, das weiterhin dominierende Patriarchat und so weiter. Sie führen Projekte durch und bauen Netzwerke auf. Leider können auch sie die Masse der Frauen nicht für ihre Kämpfe interessieren. Die Mehrheit der aktiven Frauen sind Studentinnen und – wie ich beobachte – sind sie oft nur in den paar Monaten um den 8. März  herum aktiv. Sie erkennen nicht, dass die Diskriminierung und Ungerechtigkeit gegen Frauen eine strukturelle Folge des Kapitalismus ist und kämpfen nicht ausreichen gegen ihm. Ich hoffe, das ändert sich noch und wir können bald einen gemeinsamen, umfassenden Kampf führen gegen den Kapitalismus und seine Auswirkungen in der Gesellschaft, besonderes gegen Frauen.

Für weitere Informationen verweise ich auf das Archiv der deutschen Frauenbewegung.
Das Archiv wurde 1993 gegründet. Dort werden Dokumente gesammelt, die sich mit dem Leben und Wirken von Frauen im Zeitraum 1800 bis 1970 und darüber hinaus befassen. Im Mittelpunkt steht dabei die Geschichte der Frauenbewegung. Im Archiv kann man sich über die Beteiligung von Frauen in der Revolution informieren.

Farkhonde

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